
am 6.2.26 18 Uhr mit Ina Trikowski, Renate Weidner, Annekät Groß, Carmen Sommerfeld, Maria Dobrowski und Monika Hans

wir zeigen Ausschnitte aus den DEFA-Dokumentarfilmen „Die Kinder von Golzow“ und „Im Märzen die Bäuerin“, Moderation: Holger Siemann

Der Alltag von Frauen auf dem Land in der DDR war von einer besonderen Mischung aus Fürsorge, Pflichtgefühl, Gemeinschaft und Improvisation geprägt. Zwischen Stall und Kindergarten, Schichtplänen und Schulanfang, LPG-Versammlungen und Familienfesten entstand eine dichte Welt aus Verantwortung, Zusammenhalt – und oft auch Überforderung. Die Frauen waren dabei das Rückgrat der Dörfer. Manche sagen heute: „Ohne die Frauen wäre die Landwirtschaft nicht gelaufen.“
Und tatsächlich: über 60 % der Beschäftigten in der Landwirtschaft waren Frauen, in manchen Bereichen wie Melkerei oder Pflanzenproduktion sogar deutlich mehr. Die Frauen arbeiteten körperlich schwer, standen früh auf, gingen spät schlafen, und trugen zusätzlich fast die gesamte emotionale und organisatorische Familienarbeit.
Gleichzeitig stellte die DDR im Vergleich zu anderen Ländern früh sicher, dass Frauen voll berufstätig sein konnten: Ende der 1980er Jahre arbeiteten über 90 % der Frauen im Erwerbsalter. Das war politisch gewollt – und es funktionierte nur, weil die Kinderbetreuung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen wurde.
Regionen wie Brandenburg hatten zeitweise Betreuungsquoten von über 80–90 % bei Vorschulkindern. in den 1980ern lag die Betreuungsquote der 0–3-Jährigen in der DDR bei über 50 %, weltweit ein Spitzenwert. Im Dorf funktionierten Kitas oft mit sehr langen Öffnungszeiten – angepasst an Stallarbeit und Feldzeiten. Manche öffneten 5:30 Uhr, manche schlossen erst nach 18 Uhr.

Die Kindergärtnerinnen waren zentrale Personen im Dorfleben.
Sie kannten die Familien, sie kannten die Großeltern, sie wussten, wer Schicht hatte, wer krank war, wer abends noch zur Brigadefeier musste. Sie federten die Widersprüche eines Systems ab, das gleichzeitig volle Berufstätigkeit der Frauen verlangte und private Verantwortung voraussetzte. Für viele Kinder war der Kindergarten ein Ort mit Wärme, Liedern, Ordnung, Essensgeruch, Bastelkitteln, und gleichzeitig ein Ort, an dem vieles festgelegt wurde: Freundschaften, Selbstbewusstsein, der Blick auf die Welt.

Das Leben auf dem Land war geprägt vom Doppel- und Dreifachdienst, den fast alle Frauen leisteten: Arbeitszeiten in der Landwirtschaft begannen häufig 5 Uhr morgens. Nicht nur Melkerinnen arbeiteten in Schichten. Erntezeiten bedeuteten Arbeitswochen von 50–60 Stunden und mehr. Dazu kamen Haushalt, Kochen, Kinder und Garten. Und doch erzählen viele Frauen rückblickend von Humor, gemeinsamer Stärke und einer Art stiller Solidarität:
„Wir haben uns eben gegenseitig geholfen – anders ging es nicht.“
Gerade auf dem Land verwoben sich Familie, Kollektiv und Arbeitswelt viel enger als in der Stadt.
Viele dieser Erfahrungen drohen verloren zu gehen. In den Geschichten dieser Republik sind die Themen Ostdeutsche, Frauen und LandbewohnerInnen wenig präsent.
Deshalb sprechen wir darüber!